Glossar



Schlammalter

Das Schlammalter tTS ist beim Belebtschlammverfahren die wohl wichtigste Kennzahl. Das Schlammalter entspricht der mittleren Aufenthaltszeit der Mikroorganismen in der Belebungsanlage. Dabei wird die im Belebungsbecken befindliche Schlammmasse ins Verhältnis zur täglich abgezogenen Schlammmasse (Überschussschlamm) gesetzt. Das Schlammalter beschreibt damit die mögliche Generationszeit der Bakterien. Vereinfacht gesagt: Nur Bakterien, deren Generationszeit kleiner ist als das Schlammalter, können sich im System anreichern.

Das Schlammalter charakterisiert die spezifische Belastung der Anlage und damit die Zusammensetzung der Biozönose. Kohlenstoffabbau und Denitrifikation können schon bei geringem Schlammalter von wenigen Tagen erreicht werden. Nitrifikation wird, je nach Temperatur, erst bei einem tTS von ca. 10 d oder mehr erreicht. Bei einem sehr hohen Schlammalter wird der Belebtschlamm stabilisiert (tTS > 20 d).

Je höher das Schlammalter ist, desto grösser ist das Risiko der Blähschlamm-Bildung (schlechtes Absetzverhalten des Schlammes). Gleichzeitig wird mit höherem Schlammalter der Abbaugrad höher, da sich auch hochspezialisierte Bakterien im System anreichern können.

Das Schlammalter für den gesamten Schlamm wird häufig so hoch eingestellt (bzw. die Menge in der Belebung so hochgehalten), dass auch bei Stoßbelastungen nicht zu viele Nitrifikanten ausgespült werden bzw. eine ausreichende Menge Schlamm im System ist.

Dies ist nicht nötig, wenn es gelingt, die üblicherweise bemessungsrelevanten Nitrifikanten stabil im System zu halten, so dass sie nicht mit dem Überschussschlamm abgezogen werden. Dies wird beim S::Select®-Verfahren erreicht, wo bevorzugt nur die schnellwüchsigen Bakterien ausgeschleust werden. So verliert das klassische Schlammalter an Aussagekraft.

Man hat also, ausgehend vom klassischen Schlammalter, einen wesentlich höheren Anteil langsamwüchsiger (nitrifizierender) Bakterien in der Biomasse, also eine deutlich höhere spezifische Nitrifikationsleistung, die insbesondere bei Lastspitzen zum Ausdruck kommt. Oder andersherum – während bei der klassischen Bemessung die Generationszeit der Nitrifikanten (plus Sicherheitszuschlag) der entscheidende Bemessungsparameter ist, verliert dieser Parameter bei dem S::Select®-Verfahren seine Bedeutung aufgrund der selektiven Anreicherung.

Speziell heißt das, dass mit dem S::Select®-Verfahren 2 Schlammalter in einem biologischen System eingestellt werden, indem die suspendierte Biomasse ein geringes Schlammalter von 2-3 Tagen aufweist, während der im System gehaltene aerob granulare Schlamm mit den Nitrifikanten ein Schlammalter von >>10 d repräsentieren. Damit kann einerseits ein hoher spezifischer Kohlenstoffabbau genutzt werden (Denitrifikation) und andererseits sicher nitrifiziert werden. Gleichzeitig wird schwer abbaubarer CSB durch hochspezialisierte Bakterien mit hohem Schlammalter abgebaut.


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